Traumasensibles Fitnesstraining und chronische Schmerzen

Die Hirnforschung macht in den letzten Jahren große Fortschritte. Immer besser verstehen wir, wie unser Körper, von dem das Gehirn ein Teil ist, funktioniert.

In der körperorientierten Traumatherapie findet dieses Wissen über unser Nervensystem bisher am meisten Anwendung. Körperorientierte Traumatherapie wie S.E. (Somatic Experiencing) von Peter Levine oder die Polyvagaltheorie von Stephen Porges sind jedoch weit mehr als spezifisch therapeutische Werkzeuge. Sie bieten uns ein tieferes Verständnis unseres menschlichen Daseins und den Herausforderungen denen wir gegenüberstehen. M.E. hat dieses tiefe Verständnis das Potential alle Bereiche in denen mit Menschen gearbeitet wird positiv zu beeinflussen. Ich würde sogar soweit gehen, dass es zukünftig in jeglicher Ausbildung, die die Arbeit am Menschen beinhaltet, einen essenziellen Teil der Ausbildung und der eigenen Persönlichkeitsentwicklung ausmachen sollte.

Auch als Trainer arbeite ich mit Menschen zusammen. Zudem arbeiten wir mit dem Körper. Der Körper und Körperempfindungen ist in den genannten Therapien stets der Schlüssel für die Genesung.

Wenn der Körper jedoch durch anhaltenden Stress oder Traumata bereits geschwächt oder chronisch verspannt ist, so gilt es diesem auch besondere Aufmerksamkeit im Training zu widmen.

D.h. nicht, dass ich mich nur Dehnen und locker werden muss. Dauerhaft locker kann der Körper erst werden wenn er eine tiefe innere Stabilität besitzt. Eine Stabilität der Tiefenmuskulatur ermöglicht, dass sich andere Muskeln entspannen können, da sie keine unnötige Haltearbeit mehr leisten müssen. So können sie Kraft sammeln und ihre eigentlichen Aufgaben, wie z.B. das Bewegen der Extremitäten, wieder effizient auszuführen.

Dieser Prozess ist nicht immer ganz einfach, da der Körper sehr komplex ist. Zudem sind uns tief verinnerlichte Bewegungsmuster, egal wie sehr sie uns heute einschränken, oft zur zweiten Natur geworden und dementsprechend schwer zu ändern. Dennoch hilft uns das Wissen über Traumata und die physiologischen Reaktionen und Kontraktionen darauf, Menschen mit wiederkehrenden Schmerzen bestmöglich zu helfen. Die Aufmerksamkeit auf bestimmte Muskelgruppen und deren bewusste neuromuskuläre Ansteuerung ist oft entscheidender als eine bestimmte Anzahl an stumpf durchgeführten Wiederholungen. Zudem ist eine Achtsamkeit im Training gefragt, die über die biomechanische Funktionalität einer Übung hinausgeht. Vielmehr ist ein neugieriges Erforschen des Bewegungsablaufes und meiner mentalen Ausrichtung währenddessen erforderlich. Will ich den Schmerz oder die Schwierigkeiten einfach weg haben, oder will ich liebevoll erforschen was er mir sagen will?

Solange es für mich innerlich Stress bedeutet bestimmte Übungen auszuführen. Solange ich mir meines Atems währenddessen nicht bewusst bin. Solange ich innerlich „hart“ mit mir bin – solange werden sich chronische Verspannungen oder durch traumatische Erfahrungen und langanhaltenden Stress verursachte Probleme bestenfalls temporär verbessern. Oft verschlimmern wir sie sonst durch falsches Training und der Frust darüber führt zu noch weniger Freude an Bewegung.

Eine nachhaltige Veränderung erfährt man hier nur durch einen ganzheitlichen Weg der beinhaltet dass ich:

  • eine liebevolle und achtsame Einstellung gegenüber meinen Schmerzen entwickle
  • spüre was mir tatsächlich gut tut
  • verstehe wie ich ursachenorientiert vorgehe
  • kontinuierlich übe
  • das mentale nicht vom körperlichen trenne
  • das gewonnene Körpergefühl Stück für Stück auch in meinen Alltag integriere

Dabei folgt der Prozess immer dem gleichen Schema.

  1. Unbewusste Dysfunktion
  2. Bewusste Dysfunktion
  3. Bewusste Funktionalität
  4. Unbewusste Funktionalität (Wenn ich nicht mehr drüber nachdenken muss und es mir wieder zur Gewohnheit geworden ist)

Jeder der einmal eine Sportart auf einem höheren Niveau erlernt hat, weiß wie schwierig es ist ein einmal erlerntes Bewegungsmuster zu ändern.

Das klingt jetzt alles wie ein riesiger Berg mit vielen böhmischen Dörfern auf dem Weg zum Gipfel. Bei chronischen Schmerzen mag sich das zu Beginn auch so anfühlen. Ich selber bin Jahrelang umhergeirrt und habe viel Energie, Zeit und Geld auf diesem Weg gelassen.

Auch Du, der sich durch diesen Artikel angesprochen fühlt, wird zu Beginn umherirren und nicht umhinkommen Auszuprobieren und immer wieder genau hinzuschauen. Ich bin jedoch guter Dinge, dass durch meine Begleitung und Erfahrung schnell Licht am Ende des Tunnels zu sehen sein wird und der Weg klarer erkennbar.

Bewegungsmuster umzulernen. Verhaltensmuster zu ändern. Muskuläre Dysbalancen und Zusammenhänge zu erkennen. All das ist nicht ganz einfach. Keine wirkliche Veränderung ist es. Insbesondere der Anfang und das Suchen kann frustrierend sein. Wenn man jedoch einmal ein Verständnis und ein Gefühl für seinen Körper entwickelt hat, dann ist das Üben irgendwann einfach, weil man fühlt was man braucht und keine Bestätigung von außen mehr benötigt.

Ich würde mich freuen Dich bei dieser Suche zu begleiten und dir den ein oder anderen Umweg zu ersparen.

Das ermächtigende Gefühl selbst etwas dafür tun zu können, das nicht dem Zufall überlassen ist und das damit einhergehende Selbstbewusstsein sind Ressourcen, die dir keiner mehr nehmen wird.

Die Freude und die zurückgewonnene Lebensqualität, die sich einstellen, wenn chronische Einschränkungen und Schmerzen sich vermindern, sind es allemal Wert einen ernsthaften Versuch zu wagen.

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